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Eine Radfahrt mit politischen Hindernissen – oder: wtf, AfD.

von Judith Drewke

Vollbremsung für Vollpfosten

Ich liebe es, im Sommer mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Ich bringe meine kleine Tochter in die Kita, wie schäkern etwas und kommen entspannt in den Tag. Manchmal denke ich darüber nach, was ich heute alles zutun habe oder lasse meine Gedanken einfach schweifen.

Seit ich aus dem Urlaub zurück bin, wird diese ‚freie Fahrt‘ immer mal wieder durch Wahlplakate unterbrochen. Angela sagt mir, dass ich mit ihr an meiner Seite in Deutschland gut und gerne lebe. Martin wirbt für mehr soziale Gerechtigkeit. Die Grünen sichern die Zukunft und die FDP steht auf Digitalisierung und mehr Polizei.

Alles recht nett anzusehen, ich werde quasi auf dem Rad politisch informiert und komme immer wieder ins Grübeln, wen ich wohl wählen mag.

Doch heute fuhr ich nicht lässig an einem dieser Plakat vorbei. Es ließ mich vollbremsen. Und motiviert mich zu diesem politischen Blogpost.

Eine Radfahrt mit politischen Hindernissen - oder: wtf, AfD.
Well done, AfD. Eure Weltanschauung wird auf einem Plakat und mit wenig Text sichtbar.

Drei Frauen von hinten, in sexy Bikinis, am stylischen Strand – es könnte auch die Werbung eines Online-Reiseanbieters sein. Ist es aber nicht. Denn es prangt der Satz ‚Burkas? Wir steh’n auf Bikinis.‘ darüber. Wow. Gekauftes Bild. ‚Geistreicher‘ Slogan. ‚Trau‘ dich, Deutschland!‘ Ich spürte Wut in mir.

Der Wut folgt die Erkenntnis: Well done, AfD.

Ich sah das Plakat und dachte: „Das kann doch nicht deren Ernst sein. So was darf doch nicht gedruckt und von STÖER aufgehängt werden. Verdammt, wie krass rassistisch, sexistisch und ziemlich plump ist das eigentlich?!“ Und natürlich gratulierte ich den Menschen, die das Plakat in meiner Abwesenheit bereits verschönert hatten – denn ‚SexistischeKackScheisse‘  trifft es doch recht gut.

Doch dann dachte ich weiter – saß wieder auf dem Rad und kam zu dem Schluss: „AfD, well done. Mit genau solch einem Plakat zeigt ihr auf einen Blick, wie verquer euer Weltbild ist und dass ihr von logischem Denken ziemlich weit entfernt seid.“

Euer Sexismus trifft Frauen der ‚westlichen Welt‘

Denn die AfD reduziert Frauen (der ‚westlichen Welt‘) auf Äußerlichkeiten und sexuelle Reize. Po, Bauch, Brüste – Frauen als gern angesehenes Lustobjekt.

Neben Rassismus und Europafeindlichkeit and many more kommt also ein weiteres Charakteristikum zum Vorschein: offener Sexismus. Mit einer solchen Aussage ist sie keinen Deut besser als die von ihr (unreflektiert) kritisierten Kulturen, die Frauen aufgrund von Kleidungsstücken unterdrücken.

Sexismus und Unterdrückung von Frauen fängt im Kopf an – die Kleidung kann mitunter ein Zeichen für selbige sein. Es geht daher nicht darum, ob eine Frau Burka, Bikini oder Bermudas trägt, sondern darum, dass sie dies freiwillig und für keinen Mann und keine Frau der Welt tut.

Wie viele Burkas hast du schon gesehen?

Darüber hinaus stellt sich die Frage: Wie viele Burkas gibt’s in Deutschland? Ich würde schätzen, die Zahl der Bikiniträgerinnen überwiegt knapp. (haha) Vielleicht verstehe ich das Plakat aber auch nur falsch und die Partei weist einfach darauf hin, dass jede Frau in Deutschland ab sofort Bikini tragen sollte? (hihi)

Spaß beiseite.

Die AfD versucht ein Feind-, Extrem- und Fremdbild zu schaffen, dass so gar nicht existiert und meiner Meinung nach nie existieren wird. Sie dramatisiert, verfälscht Kontexte, skandalisiert den Islam, demoliert das Ansehen von Frauen in aller Welt. Dafür nutzt sie ein Frauenbild, dass so ekelig ist, dass ich heute morgen fast vom Rad gefallen bin. Burkas sind nicht das Problem – umso mehr sind es Parolen und Aussagen, die Frauen in irgendeiner Art herabwürdigen.

Trau Dich, Deutschland! – Jepp, mach ich.

Und darum sage ich dir, AfD, ich traue mich. Ich gehe wählen. Ich gebe meine Stimme ab. Ich verhindere gemeinsam mit vielen anderen, dass du in den Bundestag kommst.

Denn darum geht’s: Wir können verhindern, dass eine Partei, die für Rassismus, Europafeindlichkeit und überdeutlichen Sexismus von Frauen steht, Deutschland mitregiert. Es ist ganz einfach – du musst nur wählen. Per Briefwahl, jetzt sofort in den Stadtverwaltungen und Bürgerämtern oder am 24.9. in den Wahllokalen. Jede Stimme zählt und mindert ihre Chancen.

Und falls du noch nicht weißt, wen du wählen sollst: Es gibt zwei coole Tools, die ich dir ans Herz lege (beide von mir getestet).

Wahl-O-Mat: Kennt man bereits, vergleicht Programmpositionen mit der eigenen Einstellung

Dein-Wal: Ist neu und beruht auf Abstimmungsergebnissen, die Parteien in der vergangenen Legislatur erzielten. Das bedeutet: Verglichen werden nur Ergebnisse von SPD, CDU, Grünen und Linken (da diese im Parlament saßen). Darüber hinaus fällt auf, dass CDU und SPD recht ähnlich abschneiden – Grund: die große Koalition. Hilfreich und interessant fand ich ihn trotzdem.

Geh‘ wählen.

<3

Judith